Taekwondo Union Nordrhein-Westfalen e.V.|Office@TUNRW.de

Kick Off 2017 – Zweikampf

Kick Off 2017 – Zweikampf

Mit dieser Kick Off Veranstaltung wollen wir mit unseren Trainern und Athleten der TUNRW ins Jahr 2017 starten und ihnen die Neuerungen im Regelwerk der WTF in Theorie, aber vor allem Praxisnah vermitteln, damit sie für die kommenden Meisterschaften gewappnet sind. In einer gemeinsamen Sparringseinheit in der wir nach Elite Training und Perspektiv Training die Gruppen teilen werden, wollen wir die neuen Regeln und die sich daraus für den Wettkampf möglichen Konsequenzen in der Praxis umsetzen um unsere Athleten ebenso für die ersten Turniere gut aufzustellen.

Dabei wollen wir die Trainer aktiv ins Training einbinden und integrieren.

ZUR AUSSCHREIBUNG

Dimitrios Lautenschläger
Dimitrios LautenschlägerTrainer
Kick Off 2017 – Zweikampf2017-01-10T12:42:03+02:00

Vision 2020/2024

Vision 2020/2024

Liebe Trainerkollegen, liebe Ehrenamtler und liebe Profis, die sich hauptamtlich um unsere faszinierende Sportart, olympisches Taekwondo kümmern.

Wir alle teilen dieselbe Leidenschaft, Taekwondo. Sie treibt uns Tag für Tag an. Sie motiviert uns andere zu motivieren, sie treibt uns an Grenzen und lässt uns diese immer weiter verschieben. Grenzen, die vor einigen Jahren noch ganz andere waren. Wir alle haben uns entwickelt und müssen dies auch weiterhin tun, um mit dem Tempo des Fortschrittes des modernen Wettkampf-Taekwondos Schritt zu halten. Diesem Tempo sind nicht alle gewachsen und die Kluft zwischen Spitzen – und Hochleistungssport und dem Breitensport wird größer. Immer mehr Trainer und Vereine bemerken diese Entwicklung und entdecken ihre Grenzen, an die sie stoßen oder sie lernen diese Grenzen zu verschieben, verschreiben sich ihrer Leidenschaft und führen ihre Athleten bis an die internationale Spitze.

In den letzten Jahren haben wir in vielen Gesprächen mit Trainern und Athleten im In- und Ausland viele interessante und zukunftsweisende Erkenntnisse gewonnen. Zusammen mit unseren Erfahrungen, die wir selbst mit unseren Athleten gesammelt haben, haben diese Erkenntnisse uns dazu gebracht, weiterzudenken, um uns für eine erfolgreiche Zukunft unserer Sportart und vor allem unserer Athleten und Trainer aufzustellen.

Wir bitten darum, die folgenden Ausführungen nicht als Kritik an einzelnen Personen anzusehen, wir wissen um die riesige Kompetenz, die Taekwondo in Deutschland besitzt. Mehr geht es darum, diese Kompetenz, die Erfahrung und den Einsatz, den jeder Tag für Tag bringt, in Strukturen einzubringen, die uns für die Zukunft noch erfolgreicher machen. Es geht darum, unsere Strukturen auf einer Basis weiterzuentwickeln, auf der Taekwondo in Zukunft erfolgreich sein kann. Es geht dabei um Visionen, Titel und Medaillen in der Zukunft zu erreichen. Dabei ist es wichtig, auf die Erfolge erfolgreicher Trainer und ihrer Athleten zu schauen. Ich vermeide an dieser Stelle bewusst den Ausdruck „erfolgreicher Nationen“, obwohl der nationale Umgang mit erfolgreichen Trainern und ihren Athleten eine tragende Rolle spielen wird, aber wir müssen unseren eigenen Weg für unsere Athleten, Trainer und unsere Taekwondo Nation finden.

Deutschland ist Deutschland
Aus unserer Sicht ist es ein Grundfehler, Konzepte zu kopieren und nicht auf die eigene Ausgangslage, Möglichkeiten und Gegebenheiten zu achten. Iran ist Iran, England ist England und Deutschland ist eben Deutschland. Wir haben es in der Hand, was wir in Zukunft aus diesem Taekwondo Deutschland machen. Lasst uns eine gemeinsame Vision entwickeln, die uns in neue erfolgreiche Sphären katapultiert.

Potenziale nutzen
Wir glauben, wir haben in Deutschland Sportler und Trainer, die es bis nach ganz oben schaffen können. Zurzeit machen wir einfach zu wenig daraus und verschenken so Medaillen und Titel. Bei Athleten, die auf dem Top Level angekommen sind, muss eine individuelle Förderung und vor allem Betreuung stattfinden. Meiner Meinung nach ist es ein großer Vorteil, dass wir in Deutschland zum einen Athleten haben, die den Weg über die Bundeswehr gehen, aber zum anderen auch Top Athleten vorweisen können, die neben dem Sport ihre Karriere in Beruf, Schule und Studium verfolgen.
Das muss weiter ausgebaut und gefördert werden, damit uns Potenziale auf lange Sicht nicht verloren gehen. Sich einzig auf eine Zentralisierung zu stützen halten wir in Deutschland für den falschen Weg. Und wie das Beispiel Frankreich zeigt, ist dies lange kein Garant für Topleistungen in den zurückliegenden Jahren.

Drop-out-Rate senken
Wir müssen es schaffen, die Drop-out-Rate zu senken. Immer wieder verlassen uns junge Talente, die ins Ausland gehen oder dem Hochleistungssport gänzlich den Rücken kehren. Die Gründe sind oft mannigfaltig, jedoch muss sich jeder kritisch hinterfragen, warum Talente oder Leistungsträger nicht mehr für Deutschland starten. Gibt es vielleicht intrinsische Gründe, die mit dazu beigetragen haben, dass Athlet X abgewandert ist oder aufgehört hat? Diese Frage muss in jedem Fall gestellt werden. Kommt man zu dem Entschluss, dass diese Gründe vermeidbar gewesen wären, müssen daraus Konsequenzen folgen, damit so etwas in Zukunft nicht mehr vorkommt. Wir können uns auf lange Sicht nicht leisten Athleten, die wir über Jahre seit der Jugend aufgebaut und gefördert haben, durch Animositäten und Systemproblematiken zu verlieren. Wir glauben daran, dass durch eine engere Betreuung der Athleten seitens der Trainer weniger Probleme auftreten werden und wir durch engere Zusammenarbeit die Drop-out-Rate senken können. Wir glauben daran, dass viele Frustrationen bei Athleten vermieden werden können, wenn sich das System zu einem System der individuellen Betreuung verändert.

Individuelle Athletenbetreuung
Jeder einzelne Athlet hat seine spezifischen und sehr individuellen Anforderungen an das Training und die Betreuung (psychologisch und mental), die auf diesem Hochleistungslevel einer der wichtigsten Faktoren ist. Überdies muss sich der Athlet vor einem Turnier in seiner Haut und in seiner Umgebung, bei dem was er isst, trinkt und wie er z.B. den Tag vor seinem Wettkampf verbringt, wohl fühlen. Benötigt er noch ein intensives Anschwitzen oder legt er besser die Füße hoch und relaxt? Jeder Athlet benötigt auf dem Niveau, das Olympia und Grand Prix von uns fordern, eine optimale individuelle Betreuung.
Das gilt für den Wettkampf sowie für die Vorbereitung und das Training das ganze Jahr über. Daher sollte das Lehrgangsprogramm ebenfalls kritisch hinterfragt werden. Unsere Athleten reisen zu den zahlreichen Events, die das Jahr über stattfinden, um den ganzen Globus. Daher glauben wir, dass der Ansatz von Lehrgängen sehr behutsam gewählt werden muss.
Das hat unserer Ansicht nach mehrere Gründe: zum einen brauchen die Athleten Zeit zur Regeneration und um zu Hause im vertrauten Kreis Energie zu tanken, zum anderen brauchen sie auch Zeit, um weiterhin individuell trainieren zu können. Die vergangenen Maßnahmen sollten zudem aufgearbeitet, das Positive und die Potenziale der letzten Kämpfe herausgestellt und in den nächsten Trainings individuell daran gearbeitet werden. Wir sehen bei vielen Athleten, dass sie bei dem jetzigen Programm ausbrennen, es fehlt das Feuer in ihren Augen, die Lust und Leidenschaft, die wir bei unseren Athleten brauchen, damit sie Topleistungen bringen können. Darüber hinaus muss bei unseren Athleten berücksichtigt werden, in welcher Phase des Trainings sie gerade stecken. Auch wenn der Wettkampfkalender eine Periodisierung schwierig macht, ist sie doch möglich und unabdingbar, damit unsere Athleten bei den wirklichen Höhepunkten auf den Punkt topfit sind, mental wie körperlich.

Bei den Lehrgängen ist es oft der Fall, dass Athleten aufeinandertreffen, die sich in völlig unterschiedlichen Phasen befinden. Die einen kommen gerade aus dem Urlaub, die anderen stehen gerade vor einem Grand Prix und wieder andere sind zum Beispiel in einer Phase des Grundlagentrainings. Das passt einfach nicht und der Lehrgang kann so keinem wirklich gerecht werden. Den einen unterfordert es, den anderen überfordert es, was schlimmstenfalls zu Verletzungen führen kann. Auch hier muss der Fokus auf individuelle Betreuung gelegt werden. Weniger und dafür gezielt ist dabei langfristig gesehen der bestimmt bessere Weg.

Taekwondo ist eine klassische Individualsportart bei der es nicht um Teambildung geht, bei der kein Athlet in ein Team passen muss oder integriert werden muss. Es geht um den Vergleich eines Individuums vergleichbar mit Tennis. Von der Professionalität des „Tennis circuit“ sind wir noch weit entfernt, aber in diese Richtung geht die Entwicklung und dieser Entwicklung müssen wir uns stellen.

Das Team Heimtrainer-Athlet
Für uns spielen die Heimtrainer der Athleten eine zentrale Rolle beim Erfolg der Athleten. Alleine durch den Fakt, dass sie ihre Athleten an das Internationale Top Level geführt haben zeigt, dass das Team Athlet – Trainer funktioniert.

Der Trainer, der Tag für Tag mit seinem Athleten arbeitet, der ihn in- und auswendig kennt, sollte unserer Meinung nach auch in den wirklich entscheidenden Momenten dem Athleten zur Seite stehen können. Das ist der Punkt an dem wir unter anderem momentan Medaillen verschenken und nicht das Optimale aus unseren Möglichkeiten herausholen.

Wenn ein großer Titel ein Mosaik aus vielen Teilen darstellt, darf am Tag X, keines aber auch keines dieser kleinen Mosaike fehlen, um das Gesamtbild perfekt zu machen. Es geht absolut nicht darum, wer der bessere Trainer ist, es geht vielmehr um Vertrauen, das sich über Jahre, ja zum Teil Jahrzehnte entwickelt hat. Es geht um Automatismen zwischen Trainer und Athlet, die sich über Jahre eingespielt haben. Es geht um das eine Wort, was alles bewirken kann, aber auch alles zunichtemachen kann. Kurz, die ganz spezielle, auf die Bedürfnisse des Athleten zugeschnittene, individuelle Betreuung, die im großen Mosaik Titel nicht nur ein kleines Mosaik ausmacht, sondern einer der zentralen Punkte ist, der über Sieg oder Niederlage entscheidet.

Auf einem Top Level wo es oft nur um Kleinigkeiten geht, kann das der entscheidende Faktor sein. Ein Athlet, der kein Vertrauen hat, oder nur einen Bruchteil einer Sekunde daran zweifelt, was ihm in der Pause gesagt wurde, verliert den Kampf.

Ein Heimtrainer erkennt, wenn etwas nicht richtig läuft und weiß, an welcher Schraube er drehen muss, um den Athleten wieder in die Spur zu bekommen. Er weiß, zu was sein Athlet in jedem spezifischen Moment in der Lage ist und wozu eben auch manchmal nicht. Ein Heimtrainer ist natürlich auch nur ein Mensch, der Fehler macht und mit Sicherheit oft die falschen Entscheidungen trifft, aber wir glauben fest daran, dass wir unser Potenziale besser nutzen, wenn wir unseren Athleten das zukommen lassen, was sie und auch wir brauchen. Eine individuelle Betreuung von A-Z zusammen mit den Heimtrainern.

Viele Gespräche mit unseren Trainern in Deutschland, die Athleten in den Weltranglisten haben, aber auch der Austausch mit den internationalen Startrainern unser Szene haben uns diesen Ausführungen immer näher gebracht. Alle denken in dieselbe Richtung und in unseren Augen wird diese Entwicklung ähnlich wie in anderen Individualsportarten kommen.
Ein Beispiel ist für uns Jade Jones, die mit ihrem Trainer Paul Green seit nun gut einem Jahrzehnt Tag für Tag trainiert und arbeitet. Dadurch verbindet die beiden so viel und man spürt regelrecht dieses Band zwischen den beiden, dass sie von Erfolg zu Erfolg führt.

Die jetzige Situation in Deutschland wird keinem wirklich gerecht, weder den Athleten die sich immer wieder aufs neue auf neue Trainer einstellen und einlassen müssen, noch den Bundestrainern und auch nicht den Heimtrainern. Spannungen sind und werden da immer vorprogrammiert bleiben. Darunter leidet am Ende Erfolg aller.

Olympiasieger/in und Persönlichkeit
Wir haben bei diesem straffen Programm einfach keine Zeit zu verschenken, denn ein Olympiazyklus ist kurz und will für den einzelnen Athleten minuziös geplant sein. Wobei seine private und berufliche Perspektive in Punkt duale Lebensplanung grundlegend eine Rolle spielen muss, denn wir wollen nicht nur eine/n Olympiasieger/in haben, sondern eine Persönlichkeit aufbauen, die nach seinem Titel unsere Sportart in der breiten Öffentlichkeit und den Medien vermarkten kann. Ansonsten verpufft für uns als Verband und Sportart in Deutschland der Titel ohne dass wir das Maximum für uns daraus machen können.

Wir müssen für eine erfolgreiche Zukunft die Weichen stellen und nicht darauf warten bis dies andere Nationen tun, wir müssen schneller, innovativer, revolutionärer sein als andere und nicht abwarten, was die anderen machen, das kopieren und dann immer einen Schritt hinten dran sein. Wir müssen eine gemeinsame nationale Vision entwickeln und dabei liegt die Betonung auf gemeinsam. Wir wissen, dass viele Trainer in Deutschland unsere Ansichten teilen, daher würden wir als TU NRW es begrüßen, einen gemeinsamen Workshop zu veranstalten wo die Toptrainer aus Deutschland sowie die Landes- und Bundestrainer und das entsprechende Leistungssportpersonal zusammen kommen, um an dieser Vision gemeinsam zu arbeiten. Wir haben natürlich eine Idee und Vorstellung wie diese Vision aussehen könnte und praktizieren dies in unserem Verband schon, aber uns ist es wichtig, dass nicht nur wir uns in dieser Vision wieder finden sondern der große Teil derer, die sich mit Leidenschaft der Faszination Olympischem Taekwondo verschrieben haben.

Wir hoffen auf positive Resonanz, da uns dieses Thema sehr am Herzen liegt und hoffen, dass wir die Punkte bei einem gemeinsamen Workshop diskutieren können.

Björn Pistel
Björn PistelZweikampf Referent
Vision 2020/20242017-01-10T11:58:29+02:00
X